Familientreffen, insbesondere an Feiertagen, führen oft mehrere Generationen mit unterschiedlichen Erziehungsansätzen zusammen.
Wenn diese Sichtweisen in lebhaften Umgebungen aufeinandertreffen, kann es zu Reibungen kommen, weil die Erziehungsstile direkt nebeneinanderstehen.
Um solche Anlässe harmonisch zu gestalten, betonen Expert*innen die Bedeutung proaktiver Strategien, die Verständnis und Ausgewogenheit unter den Familienmitgliedern fördern.
Vorausschauende Kommunikation und Vorbereitung
Eine zentrale Empfehlung von Familientherapeut*innen lautet, vor dem Treffen alle in die Kinderbetreuung eingebundenen Erwachsenen zu einer Besprechung zusammenzubringen.
So ein Austausch – ob persönlich, per Gruppenanruf oder Chat – soll die Erwartungen in Bezug auf Disziplin, Routinen wie die Schlafenszeit und das allgemeine Verhaltensmanagement aufeinander abstimmen.
Lisa Spiegel, Therapeutin und Co-Direktorin von Soho Parenting, einem Psychotherapie- und Erziehungszentrum in New York, hebt hervor, dass eine gemeinsame Linie unter den verantwortlichen Erwachsenen äußerst hilfreich ist: Einheitliches Handeln mindert Spannungen und bietet Kindern verlässliche Orientierung.
Neben der Abstimmung unter Erwachsenen profitieren auch die Kinder von Vorbereitung – vor allem, wenn sich die Hausregeln unterscheiden.
Frühzeitige Gespräche über die Etikette im Gastgeberhaus, Möglichkeiten, Gefühle zu äußern, sowie gemeinsame Bewältigungsstrategien erleichtern ihnen, Unterschiede vorherzusehen und sich gestützt zu fühlen.
Ihnen einen Rückzugsweg anzubieten, falls alles zu viel wird, stärkt zusätzlich das Sicherheitsgefühl.
Grenzen wahren und Konflikte managen
Expert*innen raten zu einem „Bleib-in-deiner-Spur“-Ansatz: Erwachsene kümmern sich vorrangig um ihre eigenen Kinder und greifen nur ein, wenn bei anderen ernsthafter Schaden droht.
Wenn doch ein Kind betroffen ist, steht im Vordergrund, es zu trösten und seine Fähigkeit zu stärken, sich angemessen zu behaupten.
Entscheidet sich ein Erwachsener doch dafür, ein fremdes Kind zu maßregeln, empfiehlt Spiegel zunächst die Deeskalation: Das Kind wird aus der Situation in einen ruhigeren Bereich gebracht.
Diese Handlung signalisiert Schutz und verdeutlicht den Bedarf an Abstand. In einem späteren, ruhigen Gespräch kann das Thema direkt mit dem anderen Erwachsenen geklärt werden.
Auch auf wertende Kommentare – oft von Großeltern – vorbereitet zu sein, ist wichtig, denn solche Bemerkungen können ungelöste Unsicherheiten aus ihrer eigenen Erziehungszeit widerspiegeln.
Spiegel rät, innere Mantras wie „Ich weiß, dass ihre Worte nichts über mich aussagen“ zu entwickeln, um gelassen zu bleiben und unproduktiven Streit zu vermeiden. Die Konzentration auf eine Aufgabe – etwa Aufräumen – kann zusätzlich helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.