Roma-Familie im Vereinigten Königreich erringt juristischen Sieg und stellt Stereotype infrage

Eine Roma-Familie in Kent hat vor Gericht einen Sieg errungen, der ihr erlaubt, auf dem Gelände zu bleiben, das sie zu ihrem Zuhause gemacht hat – und geht dabei offen gegen die weitverbreiteten Vorurteile und die Diskriminierung an, denen ihre Community weiterhin ausgesetzt ist. Seit Generationen werden Roma in Großbritannien marginalisiert und in den Mainstream-Medien oft missverstanden oder falsch dargestellt. Die Geschichte dieser Familie zeigt die Realität hinter den Schlagzeilen und ihr Bestreben, in Würde, Frieden und mit Respekt zu leben.

Ein Kampf um Würde und ein Zuhause

Angeführt vom 67-jährigen Urgroßvater Oldy Herring erstritt die Familie das Bleiberecht auf dem ehemaligen Wigmore Coach Park, nachdem ein Richter entschieden hatte, dass der Räumungsversuch des Bezirks Medway ihre Menschenrechte verletze.

Das Gelände, früher ein Park-and-Ride-Platz, wurde nach Jahren des Unterwegsseins zu ihrem Zuhause. Heute leben dort fast 30 Familienmitglieder, darunter 14 Kinder, und haben Zugang zu Schulen und kommunalen Angeboten.

Eine Kultur, die auf Respekt und Tradition gründet

Oldy und seine Frau Tina wollen das falsche Bild des Romani-Lebens, das in populären Medien oft gezeichnet wird, korrigieren. Sie betonen, dass ihre Kultur auf Familienloyalität, christlichem Glauben, Respekt vor Älteren und Großzügigkeit basiert. Entgegen den Mythen wird Sauberkeit sehr ernst genommen: Die Toiletten in den Wohnwagen werden nicht benutzt, um Verunreinigungen zu vermeiden, und Chlorreiniger gehört zum Standard.

Roma-Hochzeiten und ‑Beerdigungen sind weiterhin zentrale Ereignisse, zu denen Angehörige aus nah und fern anreisen. Doch das Paar verurteilt Fehldarstellungen wie die angebliche „Grabbing“-Tradition als beleidigend und völlig falsch.

Dank eines festen Wohnsitzes können die Kinder nun die örtlichen Schulen besuchen – etwas, das während des nomadischen Lebens oft nicht möglich war. Für die Familie Herring ist Bildung der Schlüssel, um den Kreislauf des Missverständnisses zu durchbrechen und der nächsten Generation eine bessere Zukunft zu eröffnen.

Rassismus und Missverständnissen trotzen

Die Familie hat Vorurteile erlebt – von rassistischen Bemerkungen durch Behörden bis hin zu sozialer Ausgrenzung. Stadtrat Satinder Shokar, der ihren Fall unterstützte, bezeichnete systemische Voreingenommenheit als ein zentrales Hindernis für Gypsy- und Traveller-Gemeinschaften im gesamten Vereinigten Königreich.

Trotz aller Schwierigkeiten hofft die Familie Herring, dass ihre Geschichte anderen hilft, ihre Menschlichkeit jenseits der Klischees zu erkennen. „Wir sind nicht die Problemfälle, für die man uns hält“, sagt Oldy. „Für uns stehen Familie, Respekt und Anstand immer im Mittelpunkt – wir wünschen uns einfach das Gleiche zurück.“