Multikulturelle Familien navigieren: Erziehungsperspektiven über kulturelle Grenzen hinweg

Im geschäftigen Dubai schildert die Inderin Rashmi Abraham, die mit einem Deutschen verheiratet ist, ihre Erfahrungen mit den besonderen Herausforderungen, eine multikulturelle Familie großzuziehen.

„Als er ‚Opa!‘ rief, mussten alle lächeln – nur sein Vater nicht, der an so viel Ungezwungenheit nicht gewöhnt war“, lacht sie.

Wenn zwei Kulturen unter einem Dach zusammenkommen, führt das oft zu kleinen Kulturschocks – ein ganz normaler Teil des Alltags.

Den Alltag in einer multikulturellen Familie managen

In Dubais pulsierender Metropole verschmelzen immer mehr Kulturen und spiegeln den kosmopolitischen Charakter des Landes wider. Durch die große Expat-Community haben Familien zahlreiche Möglichkeiten, unterschiedliche Kulturen zu leben und zu feiern – wie auch Rashmi Abraham erlebt.

Dieses dynamische kulturelle Umfeld prägt nicht nur die Gemeinschaft, sondern beeinflusst auch die individuelle Entwicklung auf einer tieferen, biologischen Ebene.

Eine in Science Direct veröffentlichte Studie zeigt, dass Biologie und Kultur sich gegenseitig stark beeinflussen.

Dank der sogenannten neuronalen Plastizität kann sich das Gehirn anpassen; kulturelle Gewohnheiten prägen so die Gehirnentwicklung im sozialen Kontext. Gleichzeitig können menschliche Kreativität und Innovation traditionelle Praktiken nach und nach verändern.

Die in den VAE tätige Therapeutin Luz Maria Villagras Surco betont die Vorteile einer multikulturellen Kindheit: Sie fördert ihrer Ansicht nach kognitive Flexibilität und emotionale Stärke.

Erziehung und Identitätsbildung

Dennoch kann die Suche nach der eigenen Identität für Kinder mit Schwierigkeiten verbunden sein.

Sozialer Druck und der Einfluss von Gleichaltrigen zwingen Kinder oft, sich für eine der Kulturen zu entscheiden. Eltern spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Identität und das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken.

Für Jhunette Lopez, die von den Philippinen stammt, in Australien aufwuchs und mit einem australisch-kenianischen Partner verheiratet ist, war der gemeinsame christliche Glaube ausschlaggebend, um ihre unterschiedlichen Werte und Überzeugungen in Einklang zu bringen.

Offene Gespräche und das bewusste Einbinden verschiedener kultureller Elemente helfen Familien, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, das persönliches Wachstum ermöglicht und gegenseitiges Verständnis stärkt.

Zweisprachigkeit lässt sich mühelos in den Alltag einbauen – vorausgesetzt, beide Elternteile setzen sich bewusst dafür ein.

Das Ringen mit mehreren Sprachen schärft die kognitiven Fähigkeiten. Eine Studie aus dem Jahr 2016 im International Journal of Bilingualism zeigte, dass mehrsprachige Kinder bei Problemlösung und kreativem Denken ihren einsprachigen Altersgenossen überlegen sind.

Sprachen und Traditionen unter einem Dach zu vereinen erfordert Aufwand, stärkt jedoch die Familienbande und hilft Kindern, zu selbstbewussten und anpassungsfähigen Persönlichkeiten heranzuwachsen.